Psychotherapie lindert traumabedingte DNA-Schäden

Eine Psychotherapie reduziert nicht nur die psychischen Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung, sondern auch das Ausmaß der DNA-Schädigung in Immunzellen. Zu diesem Schluss kamen Wissenschaftler der Universitäten Ulm und Konstanz.

Krieg, Folter, Naturkatastrophen – traumatische Erlebnisse wie diese hinterlassen ihre Spuren in der Psyche des Menschen. Zudem steigt bei den Betroffenen oft auch die Anfälligkeit für körperliche Erkrankungen: Infektionen und Autoimmunerkrankungen treten gehäuft auf. Zudem kommt es zum vorzeitigen Beginn altersbedingter Erkrankungen wie Diabetes, Herzkreislaufstörungen und Krebs. Psychologen der Universität Ulm gingen nun in Zusammenarbeit mit der Universität Konstanz diesem Phänomen auf den Grund.

DNA-Schäden im Immunsystem

Das Forscherteam untersuchte traumatisierte Flüchtlinge auf DNA-Strangbrüche in den mononukleären Zellen des peripheren Blutes (PBMC). Diese Zellen spielen im Immunsystem eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Infektionen. Verglichen wurde eine Gruppe von 34 Flüchtlingen mit schwerer Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS), eine Gruppe von 11 Flüchtlingen, die ebenfalls traumatische Erfahrungen gemacht hatten, aber keine PTBS-Symptome zeigten, und eine Kontrollgruppe mit 20 Personen, die eine vergleichbare ethnische Zusammensetzung aufwies. Die Probanden kamen aus Afrika, Afghanistan, dem Balkan und dem mittleren Osten.

Es zeigte sich, dass beide Gruppen mit traumatisierten Personen – ob mit PTBS-Symptomen oder ohne – ein höheres Maß an DNA-Schäden in ihren Immunzellen aufwiesen als die Kontrollgruppe. Erklärt werden könne dies, nach Ansicht der Forscher, durch die Hochregulation von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin. Dies führe zu oxidativem Stress und vermehrten Entzündungsprozessen in den Zellen des Immunsystems, das in der Konsequenz vorzeitig altere. Die Anfälligkeit für Krankheiten steige.

Reduktion der DNA-Schäden durch Psychotherapie

In einer zweiten Untersuchung gingen die Wissenschaftler der Frage nach, ob sich die Psychotherapie der PTBS auch auf molekularer Ebene niederschlägt. Die Hälfte der in diese Studie einbezogenen 38 Probanden mit PTBS erhielt sofort eine psychotherapeutische Behandlung, die anderen Teilnehmer wurden zunächst einer Warteliste zugewiesen. Eingesetzt wurde die Narrative Expositionstherapie, die traumatisierten Menschen dabei helfen soll, ihre Erlebnisse autobiografisch einzuordnen.

Und tatsächlich: Bereits vier Monate nach Therapiebeginn wurden nicht nur die psychischen Symptome der PTBS schwächer – auch das Ausmaß der DNA-Schädigung war nun vergleichbar mit dem der nicht-traumatisierten Vergleichsgruppe. Eine Folgeuntersuchung nach einem Jahr zeigte, dass Flashbacks, Schlafstörungen, Übererregbarkeit und Befindlichkeitsstörungen weiter abnahmen und sich auch die Zahl der DNA-Strangbrüche in den untersuchten Immunzellen weiter reduzierte.

In weiteren Studien wollen die Forscher die genauen molekularen Mechanismen der Therapie-Wirkung klären. Auf Grundlage ihrer bisherigen Ergebnisse plädieren sie jedoch bereits jetzt für eine zeitnahe Behandlung traumatisierter Menschen – um schwerwiegende Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Literatur
Morath, J., Moreno-Villanueva, M., Hamuni, G., Kolassa, S., Ruf-Leuschner, M., Schauer, M. et al. (2014). Effects of psychotherapy on DNA strand break accumulation originating from traumatic stress. Psychotherapy and Psychosomatics, 83 (5), 289-297.


2. Dezember 2014
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
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