Raus aus dem jugendlichen Jetlag

Bereits eine Verschiebung des Schulbeginns um 20 Minuten wirkt sich positiv auf die Schlafdauer und die Müdigkeit von Jugendlichen aus. Dies berichten Wissenschaftler der Universität Basel.

Die Schlafgewohnheiten von Heranwachsenden verändern sich mit Eintritt der Pubertät deutlich: Während Kinder meistens Frühaufsteher sind, verschiebt sich im Jugendalter die innere Uhr nach hinten. In der Folge werden Jugendliche abends meist erst spät müde und haben am Morgen oft große Mühe, aufzustehen. Während sich der Tag-Nacht-Rhythmus im Jugendalter deutlich nach hinten verschiebt, bleibt das Schlafbedürfnis jedoch meist unverändert: Es liegt bei ungefähr 9 bis 9,25 Stunden pro Nacht und ist damit ungefähr gleich groß wie bei Elfjährigen. Viele Jugendliche leiden aufgrund des frühen Unterrichtsbeginns während der Schulzeit unter einem Schlafdefizit – was sowohl ihre Schulleistungen als auch ihr Wohlbefinden beeinträchtigen kann. Psychologen der Universität Basel untersuchten nun, wie sich eine Verschiebung des Schulbeginns um 20 Minuten auf die Schlafdauer, die Tagesmüdigkeit sowie die schulischen Leistungen und die Lebenseinstellung von Jugendlichen auswirkt. Zu diesem Zweck befragten sie insgesamt 2716 Schüler im Alter von 13 bis 18 Jahren.
Die Schlafdauer der Befragten betrug während der Schulwoche im Durchschnitt ungefähr 8 Stunden und 40 Minuten. Jugendliche, die angaben, weniger als acht Stunden lang zu schlafen, zeigten tagsüber eine stärkere Müdigkeit, schlechtere Schulleistungen und allgemein eine negativere Lebenseinstellung.
Jugendliche, die morgens erst um 8 Uhr mit dem Unterricht begannen, berichteten, pro Nacht durchschnittlich 15 Minuten mehr Schlaf zu bekommen als Schüler, bei denen die Schule 20 Minuten früher anfing. Dies sei nach Angaben der Forscher darauf zurückzuführen, dass die Jugendlichen in beiden Gruppen ungefähr zur gleichen Zeit ins Bett gingen, aber bei späterem Schulbeginn am Morgen etwas länger schlafen würden. Die Zunahme der Schlafdauer um nur 15 Minuten führte zudem zu einer deutlich verringerten Tagesmüdigkeit bei den Heranwachsenden.
Die Baseler Wissenschaftler folgern aus ihren Ergebnissen, dass sich bereits eine geringfügige Verschiebung der Schulanfangszeiten positiv auf die Schlafdauer und Wachheit von Jugendlichen auswirken könnte.

Literatur
Perkinson-Gloor, N., Lemola, S., Grob, A. (in press). Sleep duration, positive attitude toward life, and academic achievement: The role of daytime tiredness, behavioral persistence, and school start times. Journal of Adolescence.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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