Risikokompetenz einschätzen

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin entwickelten ein neues Instrument zur Einschätzung der Risikokompetenz.

Finanzkrise, Schweinegrippe, Vogelgrippe, EHEC: Jede neue Krise macht uns Angst – bis sie von den Medien und schließlich auch von uns vergessen wird und wir durch das nächste Ereignis verunsichert werden. Wie schätzen Menschen Risiken ein? Wie gehen sie mit statistischen Aussagen um? Wie leicht oder schwer fällt es ihnen, Statistiken richtig zu interpretieren und damit zur Entscheidungsfindung zu nutzen?
Wissenschaftler des Harding Zentrums für Risikokompetenz am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung beschäftigen sich seit Jahren mit diesen Fragen. Sie entwickelten nun in Zusammenarbeit mit der Michigan Technological University (USA) und der University of Granada (Spanien) ein neues psychometrisches Instrument zur Erfassung der Risikokompetenz einer Person – den Berlin Numeracy Test. 
Dieser sehr ökonomische Rechentest ermöglicht schnell eine valide Vorhersage darüber, wie gut ausgeprägt das Verständnis von Statistiken und die Risikokompetenz einer Person sind.
Eine Aufgabe des Tests wäre zum Beispiel: „Von 1.000 Einwohnern einer kleinen Stadt singen 500 in einem Chor. 100 der 500 Chormitglieder sind männlich. Von den 500 Personen, die nicht im Chor singen, sind 300 männlich. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein zufällig ausgewählter Mann Chormitglied ist?“
Der Entwicklung des Berlin Numeracy Tests liegen 21 Studien mit 5.336 Teilnehmern verschiedenster Professionen aus 15 Ländern (unter anderem Deutschland, Japan, Pakistan, USA) zugrunde. In ihren Untersuchungen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass der von ihnen entwickelte Rechentest ein starker Indikator für das Verstehen vieler alltäglicher Risiken (wie zum Beispiel im Zusammenhang mit ärztlichen Diagnosestellungen) oder statistischer Wahrscheinlichkeiten (wie zum Beispiel bei Wettervorhersagen) ist. Seine Aussagekraft übertrifft die der verbreiteten kognitiven Tests um das doppelte.
Der Berlin Numeracy Test liegt in verschiedenen Formaten und Längen sowie in mehreren Sprachen vor und ist frei zugänglich. Weitere Informationen zum Test finden Sie unter www.riskliteracy.org

Literatur
Cokely, E. T., Galesic, M., Schulz, E., Ghazal, S. & Garcia-Retamero, R. (2012). Measuring risk literacy: The Berlin Numeracy Test. Judgment and Decision Making, 7, 25-47.

Quelle: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

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