Spieglein, Spieglein...

Wissenschaftler der Charité-Universitätsmedizin Berlin stellten bei Patienten mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung Veränderungen in der Anatomie des Gehirns fest.

Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung weisen eine tiefgreifende Störung des Selbstwertgefühls auf: Sie reagieren überempfindlich auf Kritik und leiden unter Minderwertigkeitsgefühlen. Gleichzeitig zeigen sie sich nach außen als arrogant, abwertend und selbstverliebt. Kernmerkmal der Störung ist zudem ein Mangel an Einfühlungsvermögen beziehungsweise Empathie: Patienten mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung erkennen zwar, was andere Menschen fühlen, denken und beabsichtigen, sie zeigen jedoch wenig Mitgefühl und sind nicht bereit, die Gefühle oder Bedürfnisse anderer anzuerkennen.
Wissenschaftler der Charité-Universitätsmedizin Berlin untersuchten im Rahmen des Excellenzclusters „Languages of Emotion“ nun zusammen mit Kollegen der Freien Universität Berlin die strukturellen Korrelate dieses Defizits.
Die Forscher analysierten die Anatomie des Gehirns von insgesamt 34 Probanden, von denen 17 unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung litten. In einer Vorstudie hatten die Wissenschaftler mithilfe verschiedener Tests bereits zeigen können, dass diese Patienten tatsächlich ein Defizit im Empathievermögen aufwiesen. Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) maßen die Wissenschaftler nun die Dicke der Großhirnrinde, der äußeren Nervenzellschicht, der Probanden.
Es zeigte sich, dass diejenigen Probanden, die unter pathologischem Narzissmus litten, unter anderem strukturelle Auffälligkeiten im Bereich der linken vorderen Inselrinde aufwiesen, einem Teil des Gehirns, der in die Verarbeitung und Erzeugung von Mitgefühl involviert ist. Diese Region der Großhirnrinde war im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich dünner. Zudem konnte eine Korrelation zwischen dem Maß der selbstberichteten Empathiefähigkeit und dem Volumen der grauen Hirnsubstanz des entsprechenden kortikalen Repräsentationsfeldes in der Inselregion nachgewiesen werden.
In weiteren Studien wollen die Forscher mithilfe funktioneller Bildgebung (fMRT) weitere Erkenntnisse sammeln, um die Arbeitsweise des Gehirns von Patienten mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung besser zu verstehen.

Literatur
Schulze, L., Dziobek, I., Vater, A., Heekeren, H. R., Bajbouj, M., Renneberg, B. et al. (in press). Gray matter abnormalities in patients with narcissistic personality disorder. Journal of Psychiatric Research.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Fernando Valenzuela / flickr.com unter CC BY 2.0

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