Spuren im Erbgut des Kindes

Rauchen während der Schwangerschaft beeinflusst die epigenetische Programmierung des Erbguts ungeborener Kinder. Darauf weisen Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung hin.

Rauchen während der Schwangerschaft ist nicht nur für die Mutter schädlich, sondern auch für das noch ungeborene Kind. Bekannte Folgen sind ein niedriges Geburtsgewicht, eine erhöhte Gefahr durch den plötzlichen Kindstod sowie Hyperaktivität und Lernschwierigkeiten im Schulalter. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig sowie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg und der Universität Heidelberg untersuchten in einer aktuellen Studie nun, inwieweit auch das Erbgut des Ungeborenen durch die Sucht der Mutter verändert wird.

Untersuchung des Epigenoms


Insgesamt 622 Mütter und deren Kinder wurden bereits während der Schwangerschaft sehr intensiv auf mögliche Umweltbelastungen untersucht. Zudem betrachteten die Forscher das Epigenom von Müttern und Kindern. Epigenetische Veränderungen führen zu einem stärkeren oder schwächeren Ablesen von Genen – während die eigentliche Information der Gene unverändert bleibt. Frühere Studien konnten zeigen, dass Umwelteinflüsse und Lebensbedingungen das Epigenom und damit die Aktivität von Genen beeinflussen.

Weitreichende Veränderungen

Beim Vergleich der Frauen, die während der Schwangerschaft rauchten bzw. keiner Belastung durch Tabakrauch ausgesetzt waren, zeigte sich: Sowohl bei den rauchenden Müttern als auch im Nabelschnurblut ihrer neugeborenen Kinder ließen sich epigenetische Veränderungen im gesamten Genom nachweisen. Zudem stellten die Forscher fest, dass die zur Geburt beobachteten Effekte auch noch mehrere Jahre nach der Geburt nachweisbar waren. Ob dies langfristige Auswirkungen der Rauchbelastung vor der Geburt seien, lasse sich aber nicht zweifelsfrei sagen. Denn Kinder, die vor der Geburt bereits mit Tabakrauch belastet seien, seien es meist auch nach der Geburt.

Vermeidung als Königsweg

Die mit dem Tabakrauch verbundenen epigenetischen Veränderungen erhöhten unter anderem das Risiko für Lungenerkrankungen im späteren Leben der Kinder, so die Forscher. Aber auch Gene, die unter anderem bei Diabetes, Fettleibigkeit oder Krebs eine Rolle spielen, seien betroffen.
Die Wissenschaftler sehen in ihrer Arbeit vor allem einen Ansatzpunkt für neue Therapieoptionen von umweltbedingten Erkrankungen. Im Fall von Tabakrauch sei allerdings das Vermeiden der Belastung immer noch die beste Alternative.

Literatur

Bauer, T., Trump, S., Ishaque, N., Thürmann, L., Gu, L., Bauer, M. et al. (2016). Environment-induced epigenetic reprogramming in genomic regulatory elements in smoking mothers and their children. Molecular Systems Biology, 12, 861.

12. April 2016
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © UFZ / André Künzelmann


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