Unterschätzte Gefahr
Psychologen der Technischen Universität Dresden ziehen in ihrer Studie zur Magersucht eine ernüchternde Zwischenbilanz: Die Eltern wollen die Probleme ihrer Töchter oft nicht wahrhaben.
Psychologen der Technischen Universität Dresden ziehen in ihrer Studie zur Magersucht eine ernüchternde Zwischenbilanz: Die Eltern wollen die Probleme ihrer Töchter oft nicht wahrhaben.
Die Magersucht oder auch Anorexia Nervosa ist eine psychische Störung, die üblicherweise in der späten Jugend oder im frühen Erwachsenenalter auftritt und mit einem gestörten Essverhalten einhergeht. Die Betroffenen sind auffallend schlank, machen Diäten, treiben exzessiv Sport, sorgen sich übermäßig um ihre Figur. Hat sich das Vollbild einer Magersucht einmal entwickelt, verläuft die Essstörung oft chronisch und ist schwer zu behandeln. Etwa jede 10. Betroffene stirbt an der Erkrankung.
Da ein gestörtes Essverhalten, das der Erkrankung vorausgeht, schon viel früher auftreten kann, setzen Psychologen der TU Dresden auf ein Vorsorgeprogramm. Unter dem Namen „E@T“ (Eltern als Therapeuten) bezieht es die zentralen Bezugspersonen – die Eltern der Betroffenen – mit ein. In kurzen informativen Texten, Audio- und Video-Elementen sowie im Gespräch mit Psychologen erfahren Eltern zum Beispiel den Unterschied zwischen normalem und problematischem Essverhalten und erhalten praktische Tipps, um die Kommunikation mit ihren Töchtern zu verbessern und ihnen zu einem gesunden Essverhalten zurückzuhelfen. Sie erhalten zudem die Möglichkeit mit anderen Eltern Kontakt zu treten. Auf diese Weise soll der entstehenden Erkrankung entgegengewirkt werden, bevor sie sich manifestiert.
Die Wissenschaftler ziehen bisher jedoch eine eher ernüchternde Zwischenbilanz. Im Rahmen ihrer Studie verteilten sie mehr als 6.000 Fragebögen an über 40 Schulen in Dresden und Umgebung. Mädchen im Alter von 11 bis 17 Jahren sowie deren Eltern wurden gebeten, diese auszufüllen. Es zeigte sich, dass bei rund 15 Prozent der befragten Mädchen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer späteren Magersucht vorliegt. Insgesamt wurden bislang 148 Risikomädchen identifiziert. Allerdings liegt die tatsächliche Zahl wahrscheinlich deutlich höher, denn 75 Prozent der an den Schulen verteilten Fragebögen wurden gar nicht ausgefüllt.
Zudem war bisher die Hälfte aller Eltern, bei deren Töchtern ein Risikostatus festgestellt wurde, nicht an einem diagnostischen Gespräch zur weiteren Abklärung des Risikos interessiert. Dies betätigt leider die Annahme, dass viele Eltern erst dann aktiv werden, wenn ihre Tochter deutlich an Gewicht verloren hat und bereits mitten in der Essstörung steckt. Der Weg zurück ist dann jedoch meist viel schwieriger und langwieriger.
Weitere Informationen zur Studie
Quelle: Technische Universität Dresden
Foto © Aimee Heart / flickr.com unter CC BY 2.0
