Wenn es schwierig wird: Anfassen!

Psychologen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster untersuchen den Einfluss der Handposition auf die Fähigkeit, Aufgaben am Computer zu lösen.

Wenn Menschen sich für Dinge interessieren, haben sie typischerweise das Bedürfnis, diese zu berühren, zu betasten, sie in die Hand zu nehmen. Und tatsächlich zeigt die Wissenschaft, dass die Nähe der Hand zu einem Objekt zu einer verstärkten kognitiven Verarbeitung desselben führt. Mit Blick auf moderne Informationstechnologien wäre es also durchaus denkbar, dass Touchscreens gegenüber der herkömmlichen Computermaus einen gewissen Vorteil mit sich bringen. Deshalb untersuchten nun Psychologen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zusammen mit Kollegen der Technischen Universität Dresden, welche Auswirkungen die „Reiz-Hand-Nähe“ auf kognitive Aufgaben unterschiedlicher Komplexität hat.

Reaktionszeitmessung am Computer

Im Labor ließen sie ihre Probanden verschiedene Reaktionszeitaufgaben am Computer lösen: Die Teilnehmer sahen farbige Zahlen (von eins bis neun), die zufällig auf der linken oder der rechten Seite des Bildschirms angezeigt wurden. Ihre Aufgabe war es, zu entscheiden, ob die jeweilige Zahl größer oder kleiner als fünf ist und eine entsprechende Taste zu drücken. In einer einfacheren Versuchsvariante sollten die Probanden dann lediglich auf die Farbe der Zahlen reagieren (rot oder grün). Die Versuche wurden zudem in zwei Versionen durchgeführt: Entweder waren die Tasten, vergleichbar mit einem Touchscreen, sehr nah am Monitor, oder sie befanden sich, analog zur Computermaus, auf dem Schoß der Probanden.

„Simon-Effekt“

Die Wissenschaftler analysierten die erhobenen Daten im Hinblick auf den sogenannten „Simon-Effekt“: Dieser besagt, dass eine räumliche Übereinstimmung der Reiz- und Handposition uns in der Verarbeitung entgegenkommt – auch dann, wenn die Position des Reizes inhaltlich keine Rolle spielt. Es ist also leichter, beispielsweise mit der rechten Hand auf einen Reiz zu reagieren, der ebenfalls auf der rechten Seite angezeigt wird. Hingegen verzögert sich die Reaktionszeit und die Fehlerrate wird höher, wenn Reiz- und Handposition nicht übereinstimmen.

Touchscreen oder Computermaus?

Es zeigte sich, dass der „Simon-Effekt“ bei der komplexeren Aufgabe (Zahlen sortieren) geringer war, wenn die Hände der Probanden nah am Monitor waren. Bei der einfacheren Aufgabe (Farbe) hingegen wurde der „Simon-Effekt“ mit größerer Nähe der Hände zum Monitor stärker.

Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Nähe der Hand zum Monitor und die damit verbundene vertiefte Verarbeitung der wahrgenommenen Informationen unterschiedliche Konsequenzen hat, je nachdem, ob einfache oder komplexere Aufgaben bearbeitet werden sollen. Entsprechend sollten bei der Entscheidung für eine Computermaus- oder Touchscreen-Steuerung – zum Beispiel in Cockpits von Hubschraubern oder Flugzeugen – nicht nur technische Trends eine Rolle spielen, sondern auch inhaltliche Überlegungen. Für welche Zwecke die Touchscreen-Steuerung die richtige Wahl sei, und wann sie vielleicht auch einen Nachteil darstelle, müsse in weiterer anwendungsorientierter Forschung untersucht werden.

Literatur

Liepelt, R. & Fischer, R. (in press). Task demands determine hand posture bias on conflict processing in a Simon task. Psychonomic Bulletin & Review.

15. Oktober 2015
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto: © Symbolfoto – Colourbox.de


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