Wie deutsch-polnische Jugendliche ihre Identität betonen

Perfektes Deutsch, polnischer Akzent: Deutsch-polnische Jugendliche nutzen die Sprache, wenn sie bewusst ihre Identität betonen wollen. Dies zeigte eine Studie des Zentrums für Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS).

Die Identität eines Menschen hängt unter anderem auch von der Sprache ab, die er spricht. Wissenschaftler des Zentrums für Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS) in Berlin untersuchten nun, wie sich deutsch-polnische Kinder und Jugendliche verhalten, wenn sie die Wahl zwischen akzentfreiem Deutsch und Deutsch mit einem polnischen Akzent haben. Im Rahmen ihrer Studie befragten sie 48 deutsch-polnische Teilnehmer im Alter von acht bis 18 Jahren.

Sprache als Identitätsmerkmal

Es zeigte sich, dass mehr als die Hälfte der Befragten angab, die eigene polnische Herkunft durch ihre Aussprache zu betonen – obwohl Deutsch akzentfrei und grammatisch perfekt beherrscht wurde. So verwendeten die Teilnehmer zum Beispiel das typisch polnische rollende „R”, um ihre polnische Identität beziehungsweise den polnischen Teil ihrer Identität zu demonstrieren. Dies geschah jedoch nicht durchgehend – der polnische Akzent wurde immer dann verwendet, wenn es darum ging, die polnische Identität zu zeigen.

Kein Zusammenhang zwischen Akzent und Grammatik

Zwischen Aussprache und grammatischer Richtigkeit bestand dabei kein Zusammenhang. Allerdings werde dieser häufig von der Umgebung hergestellt, so die Wissenschaftler. Identität sei ein bilateraler Prozess, der sich aus der selbst wahrgenommenen Identität und der von der Umgebung zugewiesenen ergebe. Unabhängig davon, ob ein Sprecher mit seinem Akzent seiner Identität gewollt oder ungewollt Ausdruck verleihe, könne der gehörte Akzent beim Zuhörer Assoziationen auslösen, die leider nicht ausschließlich positiv seien.

Literatur

Błaszczak, J. & Żygis, M. (2014). Bin ich Deutscher oder Pole? Eine Studie über nationale Identität der deutsch-polnischen Kinder und Jugendlichen in Berlin. Polnisch in Deutschland [PDF]. Zeitschrift der Bundesvereinigung der Polnischlehrkräfte, 2, 35-50.

31. März 2015
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto: © Susanne Koch


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