Zu zweit gegen den Rauch

Für einen erfolgreichen Rauchstopp ist neben den individuellen Kompetenzen auch die soziale Unterstützung durch den Partner wichtig. Dies belegten Psychologen der Universitäten Konstanz und Zürich.

Trotz des verbreiteten Wissens um die gesundheitlichen Risiken rauchen etwa 30 Prozent der deutschen Bevölkerung. Und es ist ein schwieriger Schritt vom Raucher zum Nichtraucher. Viele Betroffene schaffen es nicht, der Zigarette dauerhaft zu entsagen. Psychologen der Universität Konstanz untersuchten in einer aktuellen Studie nun, inwiefern die Unterstützung durch den Partner hilfreich sein kann.
Die Wissenschaftler befragten zu diesem Zweck 99 zusammen lebende, heterosexuelle Paare – jeweils zwei Wochen vor sowie einen Monat nach dem Rauchstopp. Der Fragebogen enthielt zum einen Items zur sogenannten Bewältigungsplanung der Betroffenen, also zur Fähigkeit, potenziell schwierige Situationen vorherzusehen, und Strategien zur Bewältigung dieser zu planen. So könnte beispielsweise an einem Abend in Gesellschaft rauchender Freunde eine Erinnerung an den eigenen Vorsatz helfen, oder auch der vorausschauend mitgenommene Kaugummi in der Tasche. Zum anderen enthielt der Fragebogen Items zur Selbstwirksamkeitserwartung der Betroffenen, also zum Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, trotz Schwierigkeiten mit dem Rauchen aufhören zu können. Neben diesen persönlichen Kompetenzen erfassten die Wissenschaftler aber auch die soziale  Unterstützung durch den Partner. Diese besteht beispielsweise darin, dass der Partner den Betroffenen an sein Vorhaben erinnert, ihm Mut zuspricht und in heiklen Situationen beisteht.
Zudem wurde der Erfolg der Rauchentwöhnung mit Hilfe eines Tests kontrolliert, der den Kohlenmonoxidgehalt des Atems prüft.
Insgesamt 34 der 99 Rauchenden in der Untersuchung schafften es, nach dem Stopp nicht mehr zu rauchen. Nach Auswertung der Fragebogendaten zeigte sich, dass die Selbstwirksamkeit, die Bewältigungsplanung und auch die soziale Unterstützung alleine keinen Zusammenhang mit einem erfolgreichen Rauchstopp aufwiesen. Allein die Kombination individueller Kompetenzen und sozialer Unterstützung hatte zum Erfolg geführt.
Nur wenn der Betroffene umsichtig plante, war die Unterstützung durch den Partner hilfreich und erhöhte die Wahrscheinlichkeit, dass der Rauchstopp erfolgreich verlief. Gleiches galt für die Selbstwirksamkeitserwartung: Je höher diese ausgeprägt war und je besser die soziale Unterstützung durch den Partner ausfiel, desto größer war die Chance, dass die Rauchenden tatsächlich mit dem Rauchen aufhörten.
Die Unterstützung durch den Partner kann also hilfreich sein – allerdings nur, wenn die rauchende Person eigene Kompetenzen ausgebildet hat, das Rauchen zu stoppen.
Die Erkenntnisse der Konstanzer und Züricher Forscher sind auch gesamtgesellschaftlich von Bedeutung, betrachtet man die Ergebnisse einer aktuellen Querschnittsstudie zu den Krankheitskosten des Zigarettenkonsums, die das Helmholtz Zentrum München kürzlich präsentierte: Durch einen genaueren Messansatz und die Berücksichtigung aller gesundheitlichen Konsequenzen ermittelten die Forscher fast doppelt so hohe Kosten für die medizinische Versorgung von Rauchern wie frühere Schätzungen.

Literatur
Ochsner, S., Luszczynska, A., Stadler, G., Knoll, N., Hornung, R. & Scholz, U. (in press). The interplay of received social support and self-regulatory factors in smoking cessation. Psychology & Health.

Wacker, M., Holle, R., Heinrich, J., Ladwig, K.-H., Peters, A., Leidl, R. et al. (2013). The association of smoking status with healthcare utilisation, productivity loss and resulting costs: results from the population-based KORA F4 study. BMC Health Services Research, 13 (278).

Quelle: Schweizerischer Nationalfonds; Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Victor Bezrukov / flickr.com unter CC BY 2.0

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