Zwei Gesichter der Narzissten

Zwischen Selbstdarstellung und Aggression: Psychologen der Universität Münster untersuchten das soziale Verhalten narzisstischer Personen.

Narzissten haben häufiger Führungspositionen inne und zeigen sich als schillernde Persönlichkeiten. Mit ihrer charmanten Art wirken sie faszinierend und anziehend auf andere Menschen. Allerdings können narzisstische Personen auch sehr unangenehm und rücksichtslos sein: Sie überschätzen ihren Beitrag zu gemeinsamen Leistungen, sind arrogant und ignorant bezüglich der Bedürfnisse anderer und provozieren Konflikte. Eine Gruppe von Psychologen der Universität Münster untersuchte in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universitäten Göttingen, Berlin und Tilburg (Niederlande) diese scheinbar paradoxen Verhaltenseffekte und ihre Auswirkungen.
In einer Reihe von Studien konnten die Wissenschaftler zeigen, dass zwei Seiten von Narzissmus grundsätzlich miteinander einhergehen: das Bedürfnis nach Bewunderung, das mit einem selbstbewussten und charmanten Auftreten einhergeht, und die narzisstische Rivalität, die mit der Abwertung anderer Personen und aggressivem Verhalten verbunden ist. Beide Strategien dienen dem Zweck, die Selbstwahrnehmung der vermeintlichen Großartigkeit aufrecht zu erhalten. Dennoch haben die zwei Handlungstendenzen unterschiedliche Auswirkungen auf soziale Begegnungen und Beziehungen, je nachdem, welche der beiden Seiten in einem sozialen Kontext stärker zum Ausdruck kommt. Ein erhöhtes Bedürfnis nach Bewunderung geht einher mit sozialem Erfolg: mit größerem Selbstbewusstsein, positiverer Stimmung, extravertierterem Auftreten und höherer Beliebtheit beim Kennenlernen. Demgegenüber führt narzisstische Rivalität zur Abwertung anderer, einer geringeren Beliebtheit in sozialen Gruppen und mehr Konflikten in Freundschaften, aber auch in romantischen Beziehungen.
Die Münsteraner Psychologen erhoffen sich von ihren Ergebnissen ein vertieftes Verständnis der Konsequenzen von Narzissmus in vielen sozialen Zusammenhängen – beispielsweise Freundschaften, Liebesverhältnissen und sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz.
In weiteren Studien soll unter anderem untersucht werden, wie bewusst narzisstischen Personen ihr eigener Narzissmus ist, sowie auch, welche Narzissten es schaffen, sozial erfolgreich zu sein, und welche scheitern.

Literatur
Back, M. D., Küfner, A. C. P., Dufner, M., Gerlach, T. M., Rauthmann, J. F. & Denissen, J. J. A. (in press). Narcissistic admiration and rivalry: Disentangling the bright and dark sides of narcissism. Journal of Personality and Social Psychology.

Küfner, A. C. P., Nestler, S. & Back M. D. (2013). The two pathways to being an (un-)popular narcissist. Journal of Personality, 81 (2), 184-195.

Quelle: Universität Münster


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