Denkfehler

Wir alle gehen meist davon aus, dass wir logische und vernünftige Entscheidungen treffen. Dass dem nicht immer so ist, konnten psychologische Studien mittlerweile sehr eindrucksvoll zeigen: Das Bild des Menschen als rationales Wesen ist ins Wanken geraten. Doch was genau bedeutet „rational“? Und was sind typische Denkfehler?

Liebe Leserinnen und Leser,

der französische Philosoph René Descartes stellte einmal fest: „Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.“ Tatsächlich gehen wir meist davon aus, dass wir als Menschen rational und vernünftig handeln und Entscheidungen nach streng logischen Gesichtspunkten treffen. Und nicht zuletzt deshalb passieren sie uns: Denkfehler.

Prof. Dr. Lutz Jäncke ist Professor für Neuropsychologie an der Universität Zürich und beschäftigte sich in seiner Forschung unter anderem mit der Frage: Ist das Gehirn vernünftig? Im Interview erklärt er, welch beeindruckendes Denkorgan unser Hirn ist, auch wenn es keine „Vernunftsmaschine“ ist, und was unser Denken und unsere Entscheidungen beeinflusst.

Darüber hinaus finden Sie im Thema des Monats Juli/August interessante Literaturtipps rund um Denken und Entscheidungen. Außerdem haben wir für Sie wieder interessante Downloads, Links und Veranstaltungstipps zusammengestellt.

Auch die Print-Ausgabe von „report psychologie“ beschäftigt sich im Juli/August mit dem Denken: Im Fachartikel „Freude am Denken“ erklären Anja und Alexander Strobel, wie sich Menschen in ihrer Bereitschaft unterscheiden, zu lernen und gedanklichen Aufwand zu leisten.

Immer viel Freude am Denken wünschen

Alenka Tschischka
Chefredakteurin „report psychologie“

und

Susanne Koch
Online-Redaktion

P.S.: Wir freuen uns wie immer über Anregungen und Kommentare zum Thema des Monats. Schreiben Sie eine E-Mail mit dem Betreff „Thema des Monats“ an: verlag(at)psychologenverlag.de

Foto: © denisismagilov – Fotolia.com

5 Fragen an...

Prof. Dr. Lutz Jäncke


Ist der Mensch ein vernünftiges, rationales Wesen? Was beeinflusst – neben „vernünftigen Regeln“ – menschliche Entscheidungen? Wo liegen die Grenzen unseres Denkvermögens? Und inwiefern können Denkfehler auch als adaptiv angesehen werden? Auf diese und weitere Fragen antwortet Prof. Dr. Lutz Jäncke.

Prof. Dr. Lutz Jäncke ist Professor für Neuropsychologie an der Universität Zürich. In seiner Forschung und in seinen Veröffentlichungen beschäftigt er sich vor allem mit der funktionellen Neuroanatomie und der Plastizität des menschlichen Gehirns. Dabei sucht er aus neurowissenschaftlicher Sicht nach Antworten auf die Frage: „Ist das Gehirn vernünftig?“

Lesen Sie hier das gesamte Interview.

Literatur

Ist das Hirn vernünftig?


Ist das Hirn vernünftig? Die provozierende Frage stellt der renommierte Hirnforscher und Neuropsychologe Lutz Jäncke aus gutem Grund: Wir alle denken, dass wir als Menschen rationale Entscheidungen treffen. Unser Hirn fungiert dabei als eine Art Supercomputer, mit dessen Hilfe wir streng logisch das Für und Wider abwägen. Doch wir täuschen uns! Je mehr wir über die Funktionsweise jenes Denkorgans erfahren, desto plausibler wird die Frage, wie vernünftig wir denn eigentlich wirklich sind. Lutz Jäncke nimmt uns mit auf eine faszinierende Reise und zeigt auf verständliche und unterhaltsame Weise, wie unser Hirn unser Denken, Handeln und Fühlen beeinflusst – und dass das manchmal nur am Rande mit Vernunft zu tun hat. Er zeigt uns, dass das Unbewusste tatsächlich existiert und wie es uns beeinflusst, wie wir richtige und falsche Entscheidungen treffen, wie unser Gedächtnis funktioniert und wie fragil es sein kann – aber auch wie robust. Anhand aufschlussreicher Experimente und neuester Forschungsergebnisse, aber auch mit vielen Beispielen aus seiner Praxis als Forscher kann er anschaulich darstellen, welch unglaublich beeindruckendes Denkorgan unser Hirn darstellt.

Lutz Jäncke
Ist das Hirn vernünftig?
Erkenntnisse eines Neuropsychologen
2016, 328 Seiten
ISBN 9783456856537

Bestellmöglichkeit

Schnelles Denken, langsames Denken


Wie treffen wir unsere Entscheidungen? Warum ist Zögern ein überlebensnotwendiger Reflex, und was passiert in unserem Gehirn, wenn wir andere Menschen oder Dinge beurteilen? Daniel Kahneman, Nobelpreisträger und einer der einflussreichsten Wissenschaftler unserer Zeit, zeigt anhand ebenso nachvollziehbarer wie verblüffender Beispiele, welchen mentalen Mustern wir folgen und wie wir uns gegen verhängnisvolle Fehlentscheidungen wappnen können.

Daniel Kahneman
Schnelles Denken, langsames Denken
2014, 624 Seiten
ISBN 978-3-570-55215-5

Bestellmöglichkeit

Einfach denken!


Wir treffen jeden Tag Entscheidungen, fällen Urteile. Oft sind uns die Mechanismen, die dahinter stehen, nicht bewusst – und das ist schlecht. Doch es gibt Abhilfe. Der amerikanische Psychologe Richard E. Nisbett hat in seinem Sachbuch einen Werkzeugkasten für optimales Schlussfolgern im Alltag entworfen. Er erklärt, wie wir angemessener über die Welt und uns denken, klügere Entscheidungen treffen, genauer kategorisieren und Beziehungen erkennen, wie wir echte Kausalzusammenhänge von falschen unterscheiden und besser logisch und dialektisch schlussfolgern. Unterhaltsam und mit zahlreichen Beispielen aus dem Alltag versehen, macht dieses Buch uns schlauer – und damit glücklicher.

Richard E. Nisbett
Einfach denken!
Wie wir alltägliche Denkfallen vermeiden und die richtigen Entscheidungen treffen
2016, 400 Seiten
ISBN 978-3-10-403729-5
Neuerscheinung

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe

Bestellmöglichkeit

Die Kunst des klaren Denkens


Nur weil Millionen von Menschen etwas für richtig halten, ist es noch nicht richtig. Warum wir trotzdem daran glauben, steht in diesem Buch. Oder auch warum wir uns selbst für schlauer halten, als wir sind – und den anderen im Gegenzug für dümmer. Jedem von uns unterlaufen Denkfehler. Und zwar systematisch – wir irren also immer wieder in dieselbe Richtung. Das logische, vernünftige Denken und Verhalten bleibt dann auf der Strecke. Diese Denkfehler können verheerend sein für unsere Finanzen, unsere Karriere und unser Glück. Unser Gehirn ist für ein Leben als Jäger und Sammler optimiert. Heute aber leben wir in einer radikal anderen Welt. Doch wer weiß, wie leicht man sich irren kann, ist besser gewappnet. Rolf Dobelli nimmt die tückischsten Denkfallen unter die Lupe, in die wir immer wieder tappen.

Rolf Dobelli
Die Kunst des klaren Denkens
52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen
2016, 256 Seiten
ISBN 978-3-423-34826-3

Bestellmöglichkeit

Die Kunst des klugen Handelns


Wer Rolf Dobellis Texte über unsere häufigsten Denkfehler gelesen hat, weiß mehr, doch ist er noch lange nicht aus dem Schneider. Denn auf dem Weg vom Denken zum Handeln lauern weitere Fallstricke. Glücklicherweise kann man die umgehen – wenn man weiß, wie. Dazu gibt uns Rolf Dobelli das nötige Rüstzeug. Dann schlagen wir nicht jeden Irrweg ein, nur weil andere ihn gehen, lernen aus den Fehlern, die andere für uns machen, denken klar und handeln klug.

Rolf Dobelli
Die Kunst des klugen Handelns
52 Irrwege, die Sie besser anderen überlassen
2015, 238 Seiten
ISBN 978-3-423-34828-7

Bestellmöglichkeit

Die Logik des Misslingens


In komplexen, vernetzten und dynamischen Handlungssituationen macht unser Gehirn Fehler: Wir beschäftigen uns mit dem ärgerlichen Knoten und sehen nicht das Netz. Wir berücksichtigen nicht, dass man in einem System nicht eine Größe allein modifizieren kann, ohne damit gleichzeitig alle anderen zu beeinflussen. Können wir daran etwas ändern?

Dietrich Dörner
Die Logik des Misslingens
Strategisches Denken in komplexen Situationen
2003, 352 Seiten
ISBN 978-3-499-61578-8

Bestellmöglichkeit

Bauchentscheidungen


„Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.“ Viele Menschen treffen Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“, was auf den ersten Blick aller Vernunft zu widersprechen scheint. Gerd Gigerenzer, Professor für Psychologie und Direktor am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, erkundet anhand zahlreicher Beispiele, woher unsere Bauchgefühle oder Intuitionen kommen und welcher spezifischen Logik unsere unbewusste Intelligenz folgt.

Gerd Gigerenzer
Bauchentscheidungen
Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition
2008, 288 Seiten
ISBN 978-3-442-15503-3

Bestellmöglichkeit

Risiko


Erinnern wir uns an die weltweite Angst vor der Schweinegrippe, als Experten eine nie dagewesene Pandemie prognostizierten und Impfstoff für Millionen produziert wurde, der später still und heimlich entsorgt werden musste. Für Gerd Gigerenzer ist dies nur ein Beleg unseres irrationalen Umgangs mit Risiken. Und das gilt für Experten ebenso wie für Laien. An Beispielen aus Medizin, Rechtswesen und Finanzwelt erläutert er, wie die Psychologie des Risikos funktioniert, was sie mit unseren entwicklungsgeschichtlich alten Hirnstrukturen zu tun hat und welche Gefahren damit einhergehen. Dabei analysiert er die ungute Rolle von irreführenden Informationen, die von Medien und Fachleuten verbreitet werden. Doch Risiken und Ungewissheiten richtig einzuschätzen kann und sollte jeder lernen. Diese Risikoschulung erprobt Gigerenzer seit vielen Jahren mit verblüffenden Ergebnissen. Sein Fazit: Schon Kinder können lernen, mit Risiken realistisch umzugehen und sich gegen Panikmache wie Verharmlosung zu immunisieren.

Gerd Gigerenzer
Risiko
Wie man die richtigen Entscheidungen trifft
2014, 400 Seiten
ISBN 978-3-442-74793-1

Bestellmöglichkeit

Denken hilft zwar, nützt aber nichts


Wie gehen wir mit Geld um? Was bedeutet es uns? Warum sind so viele Menschen bereit, sich hoffnungslos zu verschulden? Und was treibt Banker, den Kollaps unseres Finanzsystems zu riskieren? In der erweiterten Neuausgabe seines internationalen Bestsellers zeigt Dan Ariely, wie unsere Entscheidungen gelenkt werden und weshalb wir in vielen Lebenssituationen zu unserem eigenen Nachteil handeln.

Dan Ariely
Denken hilft zwar, nützt aber nichts

Warum wir immer wieder unvernünftige Entscheidungen treffen
2015, 448 Seiten
ISBN 978-3-426-30088-6

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe

Bestellmöglichkeit

Wer denken will, muss fühlen


Warum halten wir die eigenen Ideen immer für die besten? Weshalb wirken sich hohe Boni nachteilig auf die Arbeitsleistung aus? Wieso folgen wir bei der Partnersuche nicht unserem Schönheitsideal? Und warum lassen sich Rachegefühle so schwer bezähmen? In seinem neuen Bestseller untersucht Dan Ariely unser Verhalten in der Arbeitswelt und in zwischenmenschlichen Beziehungen. Sein ernüchternder Befund: Wir meinen zwar, Alltagssituationen vernünftig einschätzen zu können und Herr unserer Entscheidungen zu sein, doch in Wirklichkeit lassen wir uns oft von unseren Instinkten und Gefühlen leiten. Wir erliegen Trugschlüssen und begehen unwissentlich immer wieder Fehler – zum eigenen Nachteil. Ariely hilft uns, die wahren Triebfedern unseres Handelns zu erkennen. Und er hat auch eine gute Botschaft: Tatsächlich geht es uns meist viel besser, wenn wir den Verstand links liegenlassen.

Dan Ariely
Wer denken will, muss fühlen
Die heimliche Macht der Unvernunft
2015, 368 Seiten
ISBN 978-3-426-30089-3

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe

Bestellmöglichkeit

Bewusstsein – Unbewusstes


Dass das Unbewusste schwer zu fassen ist, überrascht nicht. Dass aber auch unser Bewusstsein nicht das ist, was es zu sein scheint, provoziert den Verstand. In diesem Buch geht es um das menschliche Bewusstsein und um die nicht bewussten Prozesse, die ihm zugrundeliegen. Udo Boessmann versucht, wichtige Aspekte dessen, was wir heute über diese Themen wissen, verständlich zu machen. Wenn wir verstehen, was Bewusstsein ist und vor allem auch was es nicht ist, verstehen wir vielleicht auch besser, was unser Menschsein wesentlich ausmacht. Trotz der wissenschaftlichen Orientierung setzt das Buch kein Fachwissen voraus und sollte auch für interessierte Laien ohne Weiteres verständlich sein.

Udo Boessmann (Hrsg.)
Bewusstsein – Unbewusstes
2013, 464 Seiten
ISBN 978-3-942761-18-5

Inhaltsverzeichnis

Leseprobe

Bestellmöglichkeit

Downloads

Störungen und Fehler beim Denken und Problemlösen


In seinem Artikel „Störungen und Fehler beim Denken und Problemlösen“ beschreibt Dr. Harald Schaub, Privatdozent am Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie der Universität Bamberg, welche Fehler Menschen beim Handeln in komplexen Situationen begehen.

Download des Artikels „Störungen und Fehler beim Denken und Problemlösen“

Links

Risikoforschung


Sollte ich mich gegen Grippe impfen lassen oder nicht? Wie gefährlich ist der Erreger, über den die Presse gerade vermehrt berichtet? Ist es sicherer, mit dem Auto oder mit dem Flugzeug zu reisen? Menschen werden täglich mit Risiken und Bedrohungen konfrontiert. Wie verhalten sich Menschen in Risikosituationen, in Situationen der Ungewissheit? Wie kann man ihnen helfen, Risiken besser einzuschätzen, kompetent mit ihnen umzugehen und mit ihnen zu leben? Um diese und weitere Fragen drehte sich das Thema des Monats Juni 2012.

Zum Thema des Monats

Unstatistik des Monats


Gemeinsam mit Kollegen rief Psychologe Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, im Jahr 2012 die Aktion „Unstatistik des Monats“ ins Leben. Mit dieser Maßnahme hinterfragen die Wissenschaftler jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Die Aktion will so dazu beitragen, mit statistischen Daten vernünftig umzugehen, in Zahlen gefasste Abbilder der Wirklichkeit korrekt zu deuten und eine immer komplexere Welt und Umwelt sinnvoll und allgemein verständlich zu beschreiben.

Zur Unstatistik des Monats

Veranstaltungen

26. und 30. September 2016

13th Biannual Conference of the German Society for Cognitive Science, Bremen


Vom 26. bis 30. September 2016 lädt die deutsche Gesellschaft für Kognitionswissenschaft (GK) zu ihrer 13. Fachtagung „KogWis2016“. Sie wird an der Universität Bremen unter dem Gesamtthema „Space for Cognition“ stattfinden.

Informationen zur Veranstaltung und Anmeldung