Geschlechter

Sexualforscherin Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt erläutert das komplexe Thema "Geschlechter" und warum die binäre Aufteilung in "Mann" und "Frau" der Wirklichkeit nicht gerecht wird.

Liebe Leserinnen und Leser,

Sexualität und Geschlecht sind vielfältig – viel vielfältiger als wir das gemeinhin wahrnehmen. Ob und wie sehr sich eine Person – abgesehen von ihren körperlichen Merkmalen – als Mann oder Frau erlebt und sich zu anderen Menschen hingezogen fühlt, ist ein komplexer Prozess und über mehr als äußerlich sichtbare Merkmale oder einen bestimmten Chromosomensatz definiert.

Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt ist Psychologische Psychotherapeutin und Professorin am Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Im Interview erläutert sie unter anderem, wie und aus welchen Gründen sich der medizinische und psychologische Blick auf die "Geschlechter" in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.

Darüber hinaus finden Sie im Thema des Monats Januar interessante Literaturtipps rund um Geschlechter, Sexualität und Identität. Außerdem haben wir für Sie wieder interessante Downloads, Links und Veranstaltungstipps zusammengestellt.

In der Print-Ausgabe von "report psychologie" geht es im Januar um die Frage "Müssen Frauen Männer sein?": Im Fokus stehen weibliche Rollen aus historischer Perspektive, aber auch die weibliche Kreativität, Führung und Gewalt.

Wie machen Frauen Karriere? In welcher Hinsicht ticken sie im Job anders als Männer? Welche psychologischen Studien bieten Erkenntnisse, die Frauen kennen sollten, um beruflich erfolgreich zu sein? Wie schafft man es als Frau, ein volles Leben immer wieder neu auszubalancieren? Zu diesen Themen erscheint ab 2017 im Programm des Deutschen Psychologen Verlags ein neuer, kostenfreier E-Mail-Informationsdienst "Frauen und Karriere", für den sich Interessenten per E-Mail (verlag@psychologenverlag.de) anmelden können.

Einen guten Start ins neue Jahr wünschen

Christa Schaffmann
Chefredakteurin „report psychologie“

und

Susanne Koch
Online-Redaktion

P.S.: Wir freuen uns wie immer über Anregungen und Kommentare zum "Thema des Monats". Schreiben Sie eine E-Mail mit dem Betreff "Thema des Monats" an: verlag(at)psychologenverlag.de


5 Fragen an...

Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt

Inwiefern wird die binäre Aufteilung in "Mann" und "Frau" der Wirklichkeit nicht gerecht? Welche Phänomene sind unter dem Begriff "Transgender" zusammengefasst? Wie hat sich der medizinische und psychologische Blick auf die Geschlechter in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Auf diese und weitere Fragen antwortet Sexualforscherin Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt im Interview.

Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt ist Psychologische Psychotherapeutin und Professorin am Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich unter anderem mit Inter- und Transsexualität und der Bedeutung verschiedener Behandlungsmaßnahmen für die Entwicklung der Betroffenen.

Lesen Sie hier das gesamte Interview.


Literatur

Sexualität und Geschlecht

Obwohl Sexualität und Geschlecht in unserer Gesellschaft allgegenwärtig sind, führt meist erst die Konfrontation mit Abweichungen von der vermeintlichen Norm zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit diesen Themen. Die Sexualforscherin und Psychoanalytikerin Hertha Richter-Appelt, der dieser Band gewidmet ist, hat sich in Therapie und Forschung mit vielfältigen Formen menschlicher Geschlechtlichkeit auseinandergesetzt. Anlässlich ihres 65. Geburtstags beleuchten ihre Wegbegleiter Sexualität und Geschlecht aus unterschiedlichen Blickwinkeln und beziehen sich unter anderem auf Religion, Politik, Körper, Identität, Partnerschaft und deutsche Geschichte. Diese vielseitige Sammlung regt einen Diskurs zwischen kritischer Sexualwissenschaft, Psychoanalyse, Medizin, Psychologie, Selbsthilfe, Rechts-, Kultur- und Sozialwissenschaften an und möchte Kundige wie Interessierte für die Vielfalt von Sexualität und Geschlecht begeistern.

Katinka Schweizer, Franziska Brunner, Susanne Cerwenka, Timo O. Nieder, Peer Briken (Hrsg.)
Sexualität und Geschlecht

Psychosoziale, kultur- und sexualwissenschaftliche Perspektiven. Eine Festschrift für Hertha Richter-Appelt
2014, 281 Seiten
ISBN 978-3-8379-2444-2

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Intersexualität kontrovers

Es gibt weltweit zahlreiche Menschen, die nicht eindeutig einem biologischen Geschlecht zuzuordnen sind – sie sind intersexuell. Die Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Intersexualität wirft Fragen der Grenzüberschreitung und der Zuständigkeit für Entscheidungsprozesse im medizinischen Bereich auf. Nicht nur verschiedene Behandlungsmaßnahmen können Leid bei den Betroffenen erzeugen, sondern auch Geheimhaltung, Diskriminierung und Ausgrenzung. Der vorliegende Band versammelt aktuelles Grundlagenwissen für ein vertieftes Verständnis des tabuisierten Phänomens und seiner verschiedenen Erscheinungsformen. Internationale Wissenschaftler, Praktiker und Experten geben in trans- und interdisziplinären Beiträgen einen differenzierten Einblick in die kontroversen Positionen im medizinischen, psychosozialen und gesellschaftlichen Umgang mit Intersexualität.

Katinka Schweizer, Hertha Richter-Appelt (Hrsg.)
Intersexualität kontrovers

Grundlagen, Erfahrungen, Positionen
2012, 524 Seiten
ISBN 978-3-8379-2188-5

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Transgender-Gesundheitsversorgung

Um die Gesundheit von transsexuellen, transgender und geschlechtsnichtkonformen Menschen zu verbessern, gibt die World Association for Transgender Health (WPATH) seit 1979 Versorgungsempfehlungen heraus. Von der ersten bis zur nun vorliegenden siebten Ausgabe hat sich ein grundlegender Wandel der Perspektiven vollzogen. Zunächst stand die Absicherung des Gesundheitspersonals im Vordergrund: Die Versorgungsempfehlungen sollten sicherstellen, dass nicht fälschlicherweise geschlechtsangleichende Maßnahmen wie gegengeschlechtliche Hormontherapie und chirurgische Interventionen indiziert werden. Heute liegt der Schwerpunkt auf der nachhaltigen Linderung des Leidensdrucks, der als Geschlechtsdysphorie bezeichnet wird und aus der Unvereinbarkeit der körperlichen Geschlechtsmerkmale mit dem Geschlechtserleben resultiert. Die Versorgungsempfehlungen werden durch einen ausführlichen Überblick der aktuellen Versorgungssituation in Deutschland ergänzt.

Hertha Richter-Appelt, Timo O. Nieder (Hrsg.)
Transgender-Gesundheitsversorgung

2014, 203 Seiten
ISBN 978-3-8379-2424-4

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Transsexualität – Transidentität

Udo Rauchfleisch plädiert seit vielen Jahren für eine Entpathologisierung von Transsexualität beziehungsweise Transidentität, die für ihn keine psychische Krankheit ist. Er diskutiert die Fragen der Begutachtung und der therapeutischen Begleitung vor, während und nach der hormonellen und operativen Angleichung an das andere Geschlecht. Diese umfassende Überarbeitung berücksichtigt die aktuelle rechtliche Situation. Zwei Beiträge transidenter Menschen geben Einblicke aus ihrer Perspektive. Das Buch richtet sich an Fachleute wie Psychologen, Psychotherapeuten, Ärzte und Psychiater, aber auch an Transidente selbst und ihre Angehörigen.

Udo Rauchfleisch
Transsexualität – Transidentität
Begutachtung, Begleitung, Therapie
2016, 216 Seiten
ISBN 978-3-525-46270-6

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Gehirn und Geschlecht

Sind das männliche und weibliche Gehirn unterschiedlich aufgebaut? Wie wirken Hormone und Geschlecht zusammen? Gibt es geschlechtsspezifische kognitive Fähigkeiten? Fragen, die über das Einparken von Frauen und das Nicht-Zuhören von Männern hinausgehen. In diesem fundierten Fachbuch zum Thema Geschlechtsunterschiede in biologischen Funktionen werden neurowissenschaftliche, psychologische, neurologische und hormonelle Grundlagen zusammengetragen. Spannend sind aber auch die anwendungsbezogenen Fragen nach Geschlechtsunterschieden bei psychischen Störungen: Sind Entwicklungsstörungen eine männliche Domäne? Sind nur Frauen essgestört? Welche Rolle spielen Geschlechtshormone bei der Multiplen Sklerose, bei Schizophrenie und Depression? Ist die Demenz bei Frauen und Männern das gleiche Problem?

Stefan Lautenbacher, Onur Güntürkün, Markus Hausmann (Hrsg.)
Gehirn und Geschlecht
Neurowissenschaft des kleinen Unterschieds zwischen Frau und Mann
2007, 358 Seiten
ISBN 978-3-540-71627-3

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Handbuch Psychologie und Geschlechterforschung

Ziel des Handbuches ist die systematische Betrachtung von Genderaspekten aus psychologischer Perspektive. Autoren aus ausgewählten Teildisziplinen der Psychologie stellen dar, welche Rolle Gender in ihrem Forschungsfeld spielt und welchen Beitrag psychologische Erkenntnisse zur Geschlechterforschung leisten. Dabei liegt der Fokus einerseits auf den Besonderheiten der einzelnen Teildisziplinen oder ausgewählter Forschungsfelder, anderseits aber auch auf der kritischen Reflexion der gesamten Psychologie aus einer Genderperspektive. Das Handbuch stellt folglich die konträren und aktuellen Positionen, Erkenntnisse und Untersuchungen zur psychologischen Geschlechterforschung dar und zeigt die Methodenvielfalt sowie das fruchtbare Spannungsfeld der Diskussion um die Bedeutung der Kategorie Geschlecht auf unterschiedlichen Ebenen auf.

Gisela Steins (Hrsg.)
Handbuch Psychologie und Geschlechterforschung
210, 430 Seiten
ISBN 978-3-531-16391-8

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Von Natur aus anders

Müssen Mädchen erst zur Frau erzogen werden? Sind Männer Produkte einer patriarchalen Ideologie? Oder umgekehrt: Sind wir willenlose Sklaven unserer Chromosomen und Hormone? Kaum ein Thema ist ähnlich anfällig für Klischees und Fiktionen, Vorurteile und Denkverbote. Die Autorin, durch ihren wissenschaftlichen Werdegang einer interdisziplinären Sichtweise verpflichtet, analysiert die aktuelle Befundlage zur Frage der Geschlechtsunterschiede aus einer Synopse kulturwissenschaftlicher, entwicklungspsychologischer und evolutionsbiologischer Perspektiven.

Doris Bischof-Köhler
Von Natur aus anders

Die Psychologie der Geschlechtsunterschiede
2011, 406 Seiten
ISBN 978-3-17-021625-9

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Geschlechterrollen und ihre Folgen

Geschlecht ist eine wesentliche soziale Kategorie, die in allen Lebensbereichen und -zeiten eine bedeutende Rolle spielt. Viel wird über die Unterschiedlichkeit von Frauen und Männern geschrieben. Dieses Buch stellt die neueste sozialpsychologische Forschung zu diesem Thema vor und beschreibt die wichtigsten Theorien, die geschlechtstypisches Verhalten erklären können. Besonders ausführlich wird auf herrschende Geschlechterstereotype eingegangen und deren Wirken aufgezeigt. Dies wird anhand von Befunden zur Wahrnehmung und Bewertung anderer Personen, aber auch über die Bedeutung von Geschlechterrollen für das Selbstkonzept und Einstellungen dargelegt. Schließlich werden Unterschiede und Ähnlichkeiten der Geschlechter an einer Reihe von sozial geprägten Verhaltensbereichen, wie beispielsweise Gesundheit, Berufswahl und Karriereentwicklung, soziale Beziehungen und Führungsverhalten, beschrieben und auch kritisch diskutiert.

Ursula Athenstaedt, Dorothee Alfermann
Geschlechterrollen und ihre Folgen

Eine sozialpsychologische Betrachtung
2011, 240 Seiten
ISBN 978-3-17-020682-3

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Anne wird Tom – Klaus wird Lara

Nichts scheint so sicher wie der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Die Verunsicherung ist daher groß, wenn man eine Frau trifft, die von sich sagt, sie sei ein Mann. Oder wenn der langjährige Kollege Müller ab sofort als "Frau Müller" angesprochen werden will. Und was tun, wenn der eigene Sohn sich plötzlich schminkt und Frauenkleidung trägt? Wie erklärt man seinen Kindern, dass Mama jetzt plötzlich Papa ist? Der Psychotherapeut Udo Rauchfleisch hilft Angehörigen, Freunden, Kollegen und Vorgesetzten von transsexuellen Menschen, das Phänomen Transsexualität zu verstehen und ohne Berührungsängste mit transsexuellen Menschen umzugehen.

Udo Rauchfleisch
Anne wird Tom – Klaus wird Lara

Transidentität/Transsexualität verstehen
2016, 176 Seiten
ISBN 978-3-8436-0427-7

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Wenn Kinder anders fühlen – Identität im anderen Geschlecht

Der sechsjährige Sohn will im Kleid zur Schule gehen? Die kleine Tochter behauptet: "Ich bin nicht 'sie', ich bin 'er'!" Handelt es sich um eine Entwicklungsphase oder könnte das Kind "transident" sein, das heißt, sich nicht seinem biologischen Geschlecht zugehörig fühlen, sondern dem anderen? Dieses Buch ist ein Ratgeber für Eltern und alle, die transidente Kinder und Heranwachsende betreuen und begleiten.

Stephanie Brill, Rachel Pepper
Wenn Kinder anders fühlen – Identität im anderen Geschlecht

Ein Ratgeber für Eltern
2016, 248 Seiten
ISBN 978-3-497-02604-3

Inhaltsverzeichnis


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Downloads

Transgender

Die Veröffentlichung "Answers to your questions: About transgender people, gender identity, and gender expression" der American Psychological Association (APA) beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Thema "Transgender".

Download der Publikation


Leitlinie "Störungen der Geschlechtsidentität im Kindes- und Jugendalter"

Störungen der Geschlechtsidentität sind durch ein anhaltendes und starkes Unbehagen über und/oder Leiden am eigenen biologischen Geschlecht charakterisiert. Sie gehen einher mit dem Wunsch oder der Beteuerung, dem anderen Geschlecht anzugehören und entsprechend leben zu wollen. Die Leitlinie "Störungen der Geschlechtsidentität im Kindes- und Jugendalter" beschreibt die Symptomatik, Diagnostik und eventuelle Behandlung.

Download der Publikation


Links

E-Mail-Informationsdienst "Frauen und Karriere"

Wie machen Frauen Karriere? In welcher Hinsicht ticken sie im Job anders als Männer? Welche psychologischen Studien bieten Erkenntnisse, die Frauen kennen sollten, um beruflich erfolgreich zu sein? Wie schafft man es als Frau, ein volles Leben immer wieder neu auszubalancieren? Zu diesen Themen erscheint ab 2017 im Programm des Deutschen Psychologen Verlags ein neuer, kostenfreier E-Mail-Informationsdienst "Frauen und Karriere", für den sich Interessenten per E-Mail anmelden können.



Veranstaltungen

13. und 14. Januar 2017

Vortrag und Workshop "Sexuelle Orientierung in Psychotherapie und Beratung", Berlin

Affirmative Therapie kann mehr als "Alles kein Problem mehr, ich behandle alle gleich!" Zentrales Anliegen der Veranstaltung ist es, die Besonderheiten nicht-heterosexueller Entwicklung und Lebensgestaltung in einer heteronormativen Mehrheitsgesellschaft zu betrachten und Hilfestellung bei der Gratwanderung zwischen Außerachtlassung und Überbetonung, Affirmation und Pathologisierung zu leisten, hin zu einem differentiellen, anstatt gleichmachenden Ansatz und zu einer angemessenen Berücksichtigung sexueller Orientierung und Identität.

Informationen zur Veranstaltung


2. und 3. September 2017

5. Schweizer Transtagung, Sursee (Schweiz)

Am 2. und 3. September 2017 findet in Sursee (Schweiz) die 5. Schweizer Transtagung statt. Unter dem Motto "Ich bin ich" treffen sich vor allem Betroffene und Angehörige.

Informationen zur Veranstaltung