Motivation für das Ehrenamt

Welche Bedeutung hat ehrenamtliches Engagement für unser Zusammenleben? Was motiviert Menschen zur Freiwilligenarbeit? Und welche psychologischen Vorteile entstehen dadurch?

Liebe Leserinnen und Leser,

dem Freiwilligensurvey der Bundesregierung zufolge engagieren sich in Deutschland über 40 Prozent der Menschen in ihrer Freizeit ehrenamtlich – und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Gemeinwesen und für unser gesellschaftliches Zusammenleben. Was treibt diese Menschen an, über ihre Erwerbsarbeit hinaus tätig zu werden? Was motiviert sie?

Der Arbeits- und Organisationspsychologe Prof. Dr. Theo Wehner von der ETH Zürich beschäftigt sich seit einigen Jahren mit der Psychologie der Freiwilligenarbeit. Im Interview erklärt er, warum ehrenamtliches Engagement aus seiner Sicht zwar nicht der vielbeschworene „Kitt der Gesellschaft“ sein kann, welche positiven (psychologischen) Effekte aber dennoch mit ihr verbunden sind.

Darüber hinaus finden Sie im Thema des Monats September interessante Literaturtipps rund um die Freiwilligenarbeit und die Psychologie des Helfens. Außerdem haben wir für Sie wieder interessante Downloads, Links und Veranstaltungstipps zusammengestellt.

In der Print-Ausgabe von „report psychologie“ geht es im September um die ehrenamtliche Tätigkeit in einem Berufsverband bzw. in der Berufspolitik: Engagierte Mitglieder berichten aus ihrer Arbeit für den BDP. Zudem finden sich im Heft ein Fachartikel mit aktuellen Betrachtungen zu den Milgram-Experimenten sowie – kurz vor der Bundestagswahl – die Wahlprüfsteine des BDP.

Viel Freude und wenig Frust im Ehrenamt wünscht

Susanne Koch
Chefredakteurin „report psychologie“


Foto © I Believe I Can Fly – Fotolia.com

5 Fragen an...

Theo Wehner

Welche Bedeutung hat ehrenamtliches Engagement für unser Zusammenleben? Was motiviert Menschen zur Freiwilligenarbeit? Welche psychologischen Vorteile entstehen dadurch? Und welche Unterschiede bestehen zur klassischen Erwerbstätigkeit? Auf diese und weitere Fragen antwortet Prof. Dr. Theo Wehner im Interview.

Prof. Dr. Theo Wehner ist emeritierter Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der ETH Zürich. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit sind die psychologische Fehlerforschung, das Verhältnis von Erfahrung und Wissen, kooperatives Handeln und seit 2001 die Psychologie der Freiwilligenarbeit.

Lesen Sie hier das gesamte Interview.

 

 

Literatur

Psychologie der Freiwilligenarbeit

 

Wie aktiviert und organisiert man Ehrenamtliche? Was motiviert Menschen zur Freiwilligenarbeit? Diese Fragen werden zunehmend häufig gestellt: in Kommunen, sozialen Einrichtungen, Vereinen, von Psychologen, Sozialarbeitern, Freiwilligenkoordinatoren und Ehrenamtsbeauftragten. Denn ohne Ehrenamtliche würde unser gesellschaftliches Zusammenleben nicht funktionieren – und gemeinnützige Arbeit unterliegt einer anderen Logik als die klassische Erwerbsarbeit. Dieses Buch liefert psychologische Grundlagen, Praxisbeispiele und konkrete Ideen für ein besseres Verständnis und die konkrete Umsetzung von Freiwilligenarbeit. Namhafte Experten geben fundierte und praxisnahe Antworten unter anderem auf die Fragen: Wie ist das Thema nicht nur sozialpsychologisch, sondern auch arbeits- und organisationspsychologisch einzuordnen? Wodurch wird gemeinnützige Arbeit motiviert? Welche Standards sind an die Arbeitsanforderungen zu richten?

Theo Wehner, Stefan T. Güntert (Hrsg.)
Psychologie der Freiwilligenarbeit
Motivation, Gestaltung und Organisation
2015, 291 Seiten
ISBN 978-3-6425-5294-6

Inhaltsverzeichnis

Leseprobe

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Praxishandbuch Freiwilligenmanagement

Freiwilligenmanagement wird in aktuellen Publikationen immer häufiger, aber eher allgemein beschrieben. Das Praxishandbuch Freiwilligenmanagement geht einen Schritt weiter und zeigt, wie durch praxisnahe Methoden und Instrumente dieser Managementansatz in den Organisationen und Vereinen umgesetzt werden kann. Viele hat das Autorenteam selbst entwickelt und angewendet.

Carola Reifenhäuser, Oliver Reifenhäuser (Hrsg.)
Praxishandbuch Freiwilligenmanagement
2013, 216 Seiten
ISBN 978-3-7799-2094-6

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe

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Psychologie prosozialen Verhaltens

Verantwortungsbewusstsein, Altruismus und Zivilcourage sind heute wichtiger denn je. Es greift aber zum Beispiel nur jeder dritte Passant ein, wenn er an einer Unfallstelle vorbeikommt, an der Verletzte auf seine Hilfe angewiesen sind. Warum helfen so wenige, etwa nach Verkehrsunfällen, aber auch im alltäglichen Leben? Wie lässt sich die Bereitschaft zum prosozialen Verhalten erhöhen? Der Autor geht solchen Fragen nach und untersucht dazu Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmale der Helfer und Nicht-Helfer sowie die Funktion sozialer Lernprozesse und Normen.

Hans-Werner Bierhoff
Psychologie prosozialen Verhaltens
Warum wir anderen helfen
 2009, 260 Seiten
ISBN 978-3-17-021003-5

Inhaltsverzeichnis

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Downloads

Motive des bürgerschaftlichen Engagements

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage in Auftrag gegeben, die erstmals differenzierte Auskunft gibt und belastbare Daten liefert. Eine lebendige Gesellschaft basiert auf stabilen Verantwortungsbeziehungen, für die Partnerschaft und freiwilliges Engagement eine wichtige Rolle spielen. Die Gründe für das Engagement ändern sich in den verschiedenen Lebensphasen, jedoch ist über die Motive im Allgemeinen noch zu wenig bekannt. Diese Studie belegt erstmals mit Zahlen, dass sich freiwilliges Engagement schon früh im Leben verankert, weshalb es wichtig ist, schon Kinder und Jugendliche für das Engagement zu begeistern.

Download der Publikation

Motivationale Aspekte ehrenamtlichen Engagements im Zivil- und Katastrophenschutz

Die Studie untersuchte Motivationsaspekte von aktuellen und potenziellen Freiwilligen in Krisenmanagement und im Katastrophenschutz und erfolgte auf Grundlage empirischer Erhebungen mit sowohl qualitativen als auch quantitativen Anteilen.

Download der Publikation

Altruismus und Egoismus: Was motiviert zum Ehrenamt?

Was bewegt Menschen dazu, einen großen Teil ihrer freien Zeit einzusetzen, um ehrenamtlich tätig zu sein? Stehen altruistische oder egoistische Motive im Vordergrund? Der vorliegende Beitrag zeigt, dass ehrenamtliches Engagement durch eine Vielzahl verschiedener Motive bedingt ist und eine primäre Motivation meist nicht bestimmt werden kann. Häufig wird sogar eine Kombination altruistischer und egoistischer Gründe von den Engagierten als handlungsleitend beschrieben. Aus der Kenntnis dieser Motivationslage wird eine Reihe von Möglichkeiten aufgezeigt, wie ehrenamtliches Engagement gefördert und unterstützt werden kann.

Download der Publikation

Motivation zum ehrenamtlichen Engagement und allgemeine Lebensziele

In der vorliegenden Arbeit sollte geklärt werden, ob sich ehrenamtlich tätige Mitglieder von vier Vereinen aus den zwei Bereichen Soziales und Unterhaltung bezüglich der Motivation für ihr ehrenamtliches Engagement und bezüglich der Bewertung der Wichtigkeit allgemeiner Lebensziele voneinander unterscheiden. Zu diesem Zweck wurden zwei Vereine aus dem Bereich Soziales und zwei Vereine aus dem Bereich Unterhaltung untersucht. Insgesamt nahmen an der Untersuchung 154 Personen teil.

Download der Diplomarbeit

Links

Engagement und Gesellschaft

Das Bundesfamilienministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) versteht sich als Partner der Zivilgesellschaft – auf Augenhöhe mit Millionen von freiwillig engagierten Bürgern, Vereinen, Verbänden, Unternehmen und Stiftungen. Deshalb unterstützt es die starke Engagementlandschaft in Deutschland.

Zur Infoseite des BMFSFJ

Der Bundesfreiwilligendienst und seine Einsatzfelder

Der Bundesfreiwilligendienst ist ein Angebot an Frauen und Männer jeden Alters, sich außerhalb von Beruf und Schule für das Allgemeinwohl zu engagieren – im sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich oder im Bereich des Sports, der Integration sowie im Zivil- und Katastrophenschutz.

Zum Bundesfreiwilligendienst

Veranstaltungen

 

08. bis 17. September 2017

13. Woche des bürgerschaftlichen Engagements

Alle Bürger, die sich in Deutschland ehrenamtlich und freiwillig engagieren – inzwischen sind dies an die 31 Millionen –, sind ab jetzt eingeladen, sich an der 13. Woche des bürgerschaftlichen Engagements zu beteiligen. Durch die Aktionswoche werden Wert und Vielfalt von Engagement in Deutschland sichtbar gemacht. Die Leistung und die Wichtigkeit von bürgerschaftlichem Engagement werden stärker in das Bewusstsein jedes Einzelnen gerückt.

Informationen zur Veranstaltung

27. September 2017

Thementag: Erfüllungsgehilfin oder selbstbestimmte, eigenwillige Ressource? Bürgerschaftliches Engagement im demografischen Wandel

Ausgehend von den Erfahrungen der Teilnehmer möchte der Thementag anhand des zweiten Engagementberichts grundsätzlich in die Diskussion gehen: Was bedeutet die dort diskutierte Vielfalt des Engagements für Freiwilligenagenturen? Wie können und möchten wir den demografischen Wandel mitgestalten? Und wo liegen dabei die Stolpersteine und Chancen für uns?

Informationen zur Veranstaltung